Agribusiness ... Hat das was mit Wirtschaft zu tun?

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Mario Schönherr

Unser nächster touch.point-Livetalk wirft seine Schatten voraus. Seit der Veröffentlichung unseres Termines (Mittwoch, 21. September, 18.00 Uhr) bekommen wir Anfragen zum Titel THE NEW CULTURE OF AGRIBUSINESS. Diesen Titel haben wir bewusst gewählt. Denn zum Agribusiness (auch Agrobusiness) gehört eben nicht nur vereinfacht gedacht, die Landwirtschaft. Sondern genau der Gegenteil ist der Fall:

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft bezeichnet neben der Landwirtschaft selbst auch die ihr vor- und nachgelagerten wirtschaftlichen Aktivitäten. Dieser Wirtschaftsbereich wird als Agribusiness bzw. Agrobusiness oder im englischen als Food Chain bzw. Food Supply Chain bezeichnet. Die Aktivitäten des Agribusiness beinhalten sowohl private als auch staatliche Dienstleistungen. Die weltweite Wertschöpfung der Agrar- und Ernährungswirtschaft wird auf 4,5 Billionen Euro (!!), d.h. ca. 10% der weltweiten Konsumausgaben, geschätzt.

Vereinfacht gesagt 4,5 Billionen Gründe für uns, um darüber nachzudenken, welche Chancen in diesem Bereich für den Wirtschaftsstandort Kärnten entstehen. Wir wollen genau wissen, welche Rohstoffquellen unser „Grund und Boden“ in Kärnten auch noch in Zukunft liefert, wer davon wirtschaftlich profitiert und ob wir darin eine Chance sehen, mit neuen Geschäftsmodellen und beruflichen Perspektiven der drohenden Abwanderung von jungen, motivierten Kärntner*innen einen Riegel vorzuschieben.

 

Agrobusiness Definition

Das Wort Agrobusiness setzt sich aus den englischen Wörtern "agriculture" und "business" zusammen und bedeutet zusammen soviel wie "landwirtschaftliches Geschäft". Aus der Bezeichnung landwirtschaftliches Business kann schon erahnt werden, dass der Begriff "Agrobusiness" nicht nur die reine Landwirtschaft umfasst, sondern auch alle Prozesse darum.

So gehören zum Agrobusiness auch die vor- und nachgelagerten Prozesse. Zu diesen Prozessen zählen:

im vorgelagerten Bereich

im Produktionsbereich

im nachgelagerten Bereich

Saatzucht

Ackerbau

Getreidehandel

Düngemittel

Garten- und Zierpflanzenbau

Viehhandel

Pflanzenschutzmittel

Weinbau

Obst- und Gemüsehandel

Landtechnik

Viehhaltung

Importeure

Tierzucht

Fischerei

Exporteure

Futtermittel

Aquakultur

private und genossenschaftliche Landeshandelsorganisationen

 

Des Weiteren zählen zur Agrar- und Ernährungswirtschaft:

  • die Sektoren der ersten und zweiten Verarbeitungsstufe (produzierendes Ernährungsgewerbe)
  • der Lebensmittelhandel
  • die Lebensmittelzubereitung als Großverbraucher
  • alle mit dem System verbundenen Dienstleistungen (zum Beispiel Beratungs-, Finanzierungs- oder Transportleistungen)

 

Agrobusiness Vorteile & Nachteile

Es gibt Vorteile, die für das Agrobusiness, aber auch Nachteile, die dagegen sprechen. Wir haben für dich die wichtigsten Vor- und Nachteile aufgelistet. Wir beginnen mit den Vorteilen:

  • Vollendet die Wertschöpfungskette: Dadurch können die Unternehmen den Endverkaufsprozess beeinflussen und die Landwirte müssen sich nicht mehr alleine um, die mit dem Verkauf, verbundenen Prozesse kümmern. Der Landwirt kann sich so auf seinen erlernten Beruf konzentrieren.
  • Weltweite Steigerung der Nahrungsmittelproduktion
  • Produktivitätssteigerung einzelner Räume
  • schafft Arbeitsplätze im ersten, zweiten und dritten Sektor
  • es entstehen Netzwerke, die den Vertrieb sichern

Doch bekanntlich kein Vorteil auch ohne Nachteil:

  • Ethisch-moralische Probleme: Da sich der größte Teil der Landwirtschaft mit der Verarbeitung tierischer Produkt beschäftigt, fand hier in den letzten Jahren eine deutliche Produktivitätssteigerung statt. Diese führte vermehrt zur Massentierhaltung. Hier gilt es zu beleuchten, welchen Herausforderungen sich lokale Unternehmen stellen müssen, um sich trotz regelkonformer Tierhaltung am hart umkämpften (internationalen) Markt zu behaupten.
  • Ökologische Probleme (ansteigendes Verkehrsaufkommen, Umweltverschmutzungen): Durch lange Transportwege und der Verwendung von z.B. Einwegverpackungen, leidet die Umwelt. Da bleibt die Frage: Wie kann verstärkt der Kauf von Produkten aus der Region noch stärker ins Bewusstsein gerückt werden?
  • Existenzzerstörung von Kleinbetrieben: Durch die immer größer werdenden Großbetriebe haben die kleinen Betriebe keine Chance mehr. Agglomerationsvorteile, sowie Preisnachlässe für große Mengen sorgen dafür, dass kleine Betriebe preislich und produktiv nicht mehr mithalten können. Dies führt dazu, dass die kleinen Betriebe immer weiter schließen. Welche Kooperationsmodelle sind hier möglich, um auch kleineren Produzenten Marktchancen zu erhalten?
  • Gesundheitliche Bedenken: Durch die Industrialisierung werden den Lebensmitteln oft nicht notwendige oder billige, Geschmacksverstärkenden Zutaten beigemengt. Dadurch kommt es zu einem hohen Konsum von Zucker, Fett oder Salz sowie von nicht für den Konsum bestimmten Produkten (dazu zählen zum Beispiel Tiermedikamente oder Pflanzenschutzmittel).

 

Und so zeigt schon der erste Einblick ins Thema, dass wir eine heiße Diskussion erwarten dürfen. Welche Chancen hat Kärnten, welche Risken birgt das Agribusiness. Müssen sich unsere Wirtschaftsbetriebe den „big playern" geschlagen geben? Gibt es nicht vielleicht doch konkrete Nischen, wo wir mit Kärntner Produkten punkten? Grund und Boden als Kapital der Zukunft- da lohnt es sich drauf zu schauen ...

Wer gerne mitdiskutieren will, sollte sich schon jetzt anmelden!

 



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