Der Kuhstall geht online! Coliving erobert den ländlichen Raum.

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Mario Schönherr

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Insbesondere junge Menschen möchten ihren Arbeitsalltag zunehmend unabhängiger gestalten. 9 to 5 im Büro zu sitzen passt nicht mehr ins Lebenskonzept und ist nicht mehr zeitgemäß. Es zeichnet sich in den größeren Städten bereits ab: Coliving-Konzepten gehört die Zukunft.  

Dabei handelt es sich um moderne Wohngemeinschaften für Berufstätige. Da wird nicht nur eine Wohnung miteinander geteilt, sondern auch Ideen und Businesspläne diskutiert und entwickelt. Ein Modell, dass speziell den Leerständen im ländlichen Raum ganz neue Perspektiven bietet.

Die Anzahl der Freiberufler stieg binnen der letzten Jahre rasant an. Coliving ist das moderne Konzept für die Freigeister unter den Berufstätigen. Eine wachsende Kundengruppe für die Immobilienwirtschaft mit spezifischen Anforderungen. Das stellt vor allem die Wohnraumentwickler im Zentralraum vor Herausforderungen und hält gleichzeitig Chancen für neue Vermietungskonzepte bereit. Speziell im ländlichen Raum wird zunehmend mehr Wohnraum frei. Neuvermietungen nach der konventionellen Methode funktioniert dort nicht mehr. Es fehlt schlichtweg an attraktiven Ideen.

 

Was heißt Coliving?

Coliving richtet sich an Selbstständige, Gründer, digitale Nomaden, aber auch oft einfach auch an junge Menschen, die sich von klassischen Wohnmodellen (abseits der bekannten WG-Angebote) abwenden und nach neuen Gemeinschaftswohnlösungen suchen.

Unter einem Dach wird hier gemeinschaftlich gewohnt und gearbeitet. Hoher Komfort und der Aufbau eines effizienten Netzwerkes haben hier hohe Priorität. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen beim Coliving. Und das ist Teil des Konzeptes. Im Gemeinschaftsraum wird erst die Party vom letzten Wochenende, dann die Geschäftsidee des Mitbewohners diskutiert.

Dabei handelt es sich nicht um die klassische Studenten-WG. Vielmehr findet man modern eingerichtete und servicierte Apartments vor. Mietet man sich in einem Coliving Space ein, erhält man in der Regel ein Komplettpaket: Miete, Nebenkosten, Reinigung, optional den Lieferservice für Lebensmittel, die Nutzung von Coworkingbereichen und – das Wichtigste – Highspeed-Internet verstehen sich als Selbstverständlichkeit. Die Miete liegt dafür über dem normalen Mietspiegel.

 

Chance für die Wohnungswirtschaft

Diese Entwicklung der Arbeitsmentalität beeinträchtigt nicht nur die Voraussetzungen des modernen Arbeitsmarktes. Besonders für die Immobilienwirtschaft tun sich Chancen auf. Es müssen geeignete Flächen für Coliving-Projekte gefunden bzw. geschaffen werden. Und genau hier liegt die Chance im ländlichen Bereich: Leerstände können so vollkommen neu adaptiert und genutzt werden.

Und genau hier liegt die Herausforderung für den ländlichen Bereich in Kärnten: Bei der Mobilität und auch beim Ausbau des Breitband-Internet wird vieles versucht bzw. angekündigt. Es fehlt jedoch schlicht an weiterführenden Ideen, wie man diese Infrastruktur-Offensive auch nachhaltig bewirtschaftet bekommt. Denn eines ist klar: Coliving-Anbieter müssen sich den Anforderungen ihrer Zielgruppe anpassen. Da reicht es nicht, einfach nur die Taktung von Buslinien ein wenig zu erhöhen. Denn ein umfassendes Verständnis der Bedürfnisse von Coliving-Zielgurppen ist notwendig. Denn es sind keine Utopien, die so manch ein Wohnhaus im Grünen in einen funktionierenden Coliving-Space verwandeln.

 

Die vier Eckpfeiler von Coliving Konzepten:

  • Gute Anbindung: Die schnelle Erreichbarkeit zum Öffentlichen Nahverkehr ist essenziell für Pendler und Unternehmer. Eine höhere Taktung von Busverbindungen und S-Bahnverbindungen alleine ist nicht ausreichend. Es braucht stimmige Gesamtlösungen. Und auch die Anbindung an schnelles Internet sind Grundvoraussetzung für das Leben und Arbeiten am Land.
  • Arbeitsraum ist Lebensraum: Die Einrichtung der Apartments muss zeitgemäß sein, aber auch der Faktor Erholung und Natur darf nicht zu kurz kommen. Ein schnelles Internet - sowohl indoor - als auch rund ums Objekt sind Standard. Punkten kann der ländliche Raum jedoch zusätzlich mit jeder Menge Freiraum für kreative Pausen oder eine abwechslungsreiche Auszeit. Hier kann eine klare Abgrenzung zu städtischen Angeboten geschaffen werden.
  • Service wird zum Prinzip: Moderne Gemeinschaftsküchen, Aufenthaltsräume, Heimkino, Fitnessraum, Wäscheservice und Coworking-Spaces. Genau hier könnten sich kleinere regionale Betriebe ein neues Geschäftsmodell aufbauen oder bestehende Leistungen erweitern. Der Lieferservice von Lebensmitteln bzw. Take-away-Angebote sind nach der Coronazeit nun ohnehin keine Utopie mehr. Die Kreativität der regionalen Unternehmen ist gefragt.
  • Gemeinsam statt einsam: Regelmäßige Aktivitäten und Möglichkeiten zum Netzwerken und um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Keine rauschenden Parties, sondern schlicht das Zusammenkommen von der Community kann zu neuer Frequenz in den Regionen führen.

Es braucht nicht immer die bahnbrechenden Projekte, sondern es reicht ein Blick über den Tellerrand. Gerade in den großen Städten bieten sich ständig neue Konzepte an, die ohne großen Aufwand auch gut in andere Lebenswelten integrierbar sind. Vielleicht ein guter Impuls für Politiker, Gemeindevorstände und Regionsverantwortliche, um einmal darüber nachzudenken, wie man die Vorzüge des eigenen Lebensraums mit zeitgemäßen Konzepten verbindet? Zahlreiche Kommunen im deutschsprachigen Raum zeigen es bereits erfolgreich vor.

 

Wir sind neugierig! Wo könnten sich in Kärnten gute Plätze für Coliving-Konzepte anbieten? Oder gibt es vielleicht schon entsprechende Angebote? Schreibt uns. Wir diskutieren gerne mit euch auf unseren Plattformen.


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