„War for Talents“: Gehalt ist längst nicht mehr alles!

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Mario Schönherr

Der Fachkräftemangel ist nicht erst seit Corona ein omnipräsentes Thema. In keiner Branche stehen die Zeichen auf Entspannung. Und neben einem attraktiven Leistungspaket wird künftig auch der Standort ein wesentlicher Faktor in der Entscheidungsfindung sein. 


Bereits seit 2019 treten mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt aus als ein. Dazu kommt, dass es in gewissen Berufen zu wenig Nachwuchs gibt. Der „war for talents” wird zum „war for people”. Die Veränderung vom Arbeitgebermarkt zum Arbeitnehmermarkt ist längst passiert. Nicht mehr die Firmen suchen aus vielen Bewerbungen aus, sondern die Firma bewirbt sich bei potenziellen Mitarbeitenden (active sourcing).

Attraktiv ist zu wenig

Das hat eine Konsequenz: es reicht nicht mehr ein attraktiver Arbeitgeber zu sein – Unternehmen müssen zu einem unwiderstehlichen Arbeitgeber werden! Denn heute sind im Grunde die allermeisten Firmen mehr oder weniger attraktive Arbeitgeber – die Liste der Benefits ist bei allen ähnlich lang und die Entlohnung meist ähnlich. Einziges Unterscheidungsmerkmal wird noch stärker das Erlebnis, welches Menschen in der täglichen Arbeit geboten wird – die sogenannte Employee Experience.

People first

Der Schlüssel zum Erfolg heißt aktive Gestaltung und Management von Employee Experience. Damit verbunden ist eine grundlegende Änderung der Einstellung und des Mindset gegenüber den Mitarbeitenden. Im Kern ist es die Erkenntnis, dass die Mitarbeitenden der einzige USP sind, der Unternehmen heute bleibt. Das erklärt auch, warum man von einem Shift von Human Resource zu Employee Experience spricht: Damit gemeint sind Unternehmen, die aktiv in die Gestaltung von Employee Experience investieren.

Auch der Standort zählt zu Employee Experience!

Unter Employee Experience versteht man alle Erfahrungen, die Mitarbeitende in der Beziehung mit einem Unternehmen als Arbeitgeber machen. Man kann von einer lebenslangen Beziehung sprechen. Diese Employee Experience ist die Grundlage für das emotionale Commitment von Menschen zur Firma und den Zielen der Firma – also das Zugehörigkeitsgefühl, die Loyalität und Bindung, sowie die Bereitschaft entsprechende Performance zu leisten. Ein ganz wesentlicher Faktor der Employee Experience wird auch der Unternehmens-Standort sein.

Und genau hier liegen Chancen für Kärnten, bzw. Südösterreich als Wirtschaftsraum. So auch das zentrale Thema einer breit angelegten und umfassenden Standortstudie, die seitens eines wissenschaftlichen Konsortiums – bestehend aus der Joanneum Research, der Uni Graz und dem Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung – über die vergangenen zwei Jahre durchgeführt worden ist und in Kooperation mit den Wirtschaftskammern Kärnten und Steiermark präsentiert wurde. Dem Fachkräftemangel und der Standortkooperation wurde dabei viel Platz eingeräumt.

Als Wirtschaftsraum im Süden Österreichs zur attraktiven Arbeitgeber-Marke?

Kärnten und die Steiermark müssen sich besonders bemühen, als Lebensstandort für in- und ausländische Arbeitskräfte attraktiv zu sein. Beide können Fachkräften nicht nur attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze, sondern auch eine hohe Lebensqualität bieten. Diese Vorteile muss man nutzen, um etwa gemeinsame Kampagnen auf internationaler Ebene umzusetzen.

Erfolgsbeispiele, wie der Silicon Alps Cluster zeigen vor, was durch die länderübergreifende Kooperation möglich ist. So wird die Region Südösterreich europaweit bereits als einer der wichtigsten Standorte im Bereich Mikroelektronik wahrgenommen. Dafür sorgen erfolgreiche Unternehmen in beiden Bundesländern, eine gute Vernetzung und Vermarktung im Rahmen des länderübergreifenden Silicon Alps Clusters und die enge Kooperation in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung durch Silicon Austria Labs und Joanneum Research.

Dieses Best-Practice-Beispiel zeigt auch, dass es einer kritischen Masse bedarf, um im Wettbewerb der Regionen auf europäischer Ebene und weltweit wahrgenommen zu werden. Daher soll die Kooperation zwischen den Nachbarbundesländern Steiermark und Kärnten im Zuge der Wirtschafts- und Innovationsachse Südösterreich 2030 vertieft und ausgebaut werden.

Mit den Projekten des Semmering-Basistunnels und des Koralmtunnels ist es gelungen, zwei große Verkehrsprojekte durchzusetzen, die auch die internationale Erreichbarkeit entscheidend verbessern. Diesen Schwung will man nutzen, um gemeinsam am weiteren Ausbau zu arbeiten. Dies umfasst nicht nur neue Verkehrsprojekte, wie den Neubau des Bosruck-Tunnels oder die Weiterentwicklung des Cargo Center Graz und des Terminal Fürnitz, sondern auch den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Form des Glasfaserausbaus.

Das „denk.süd"-Fazit: Wenn das „Kirchturmdenken“ der Vergangenheit angehört, Landesgrenzen gegen Lebensräume getauscht werden und der Nutzen aller Protagonisten in Überlegungen Platz findet, dann hat Kärnten als Arbeitgebermarke wirklich eine echte Chance. Und nur so können wir der drohenden Abwanderung in den kommenden Jahren auch entsprechend begegnen!


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